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„Vielleicht sind wir´ne Generation, die auserkoren war, anzufangen mit dem Scheiss!“ by haussteinstrasse
18. Februar 2010, 16:38
Filed under: Das Projekt

Here we come – Hip Hop in der DDR

Filmvorführung und Gesprächsrunde

Am Mittwoch den 17.2.2010 fanden sich die SeminarteilnehmerInnen und interessierte Gäste im Haus Steinstraße ein, um sich anhand einer filmischen Dokumentation und einem anschließendem Gespräch ein Bild von der Relevanz, dem Umfang und der Charakteristik der DDR-Hip Hop-Szene zu machen.

Bei dem Film, der Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit der Entwicklung und Ausprägung der HipHop-Szene in der DDR in den 80er Jahren war, handelte es sich um die 2007 erschiene Dokumentation „Here we come“ von Nico Raschick (Regie und Buch).

Der Film beleuchtet die ostdeutsche HipHop-Geschichte vom ersten Auftauchen des Breakdance in westdeutschen Fernsehaufnahmen, über den Spielfilm „Beat Street“ als hauptsächlicher visueller Einfluss und ausschlaggebendes Erlebnis für viele Jugendliche, sich mit den Elementen der HipHop-Kultur zu beschäftigen, bis hin zur Professionalisierung des Breakdance und seiner Einbindung in die offizielle Staatskultur.

Der fehlende Zugang zu Musiktechnik oder anderen Produktionsmitteln wie Sprühdosen, etc. pp. charakterisiert auch im Hip Hop die Ausprägung der Jugendkultur. So spielte Breakdance, gefolgt vom improvisierten Auflegen und Produzieren die größte Rolle, Graffiti konnte nur in Form von aufwändig bemalter Kleidung und sehr selten mit Streichfarbe und Pinsel ausgeführten Wandgestaltungen erlebt und ausprobiert werden.

Erst Ende der 80er Jahre begann auch die allmähliche Entwicklung des Rap und Partys die in klassischer Form zumindest den Elementen Tanz und Musik eine Plattform boten.

Parallel zu dieser Ausbildung der klassischen Hip Hop-Disziplinen, vollzog sich eine bemerkenswerte Entwicklung im Bereich der gesellschaftlichen bzw. politischen Akzeptanz gegenüber dem Breakdance und seiner Akteure. Aus dem Bedürfnis die nach „Beat Street“ überall auf der Straße tanzenden Jugendlichen aus dem öffentlichen Raum zu entfernen, änderte sich die Strategie von täglicher Schikane und Repressalien, hin zu einer akzeptierten Ausübung in Jugendzentren. Daraus entstand ein einmaliges System, in dem das für alle kulturell Aktiven geltende System der Auftrittserlaubnis und Einstufung auch auf Breakdance angewandt wurde, was dazu führte das sich in den späten Achtzigern unzählige offizielle „Volkskunstkollektive“ eine verhältnismässig recht stattliche Gage durch das Tanzen verdiente.

Die aus dieser Entwicklung abzulesende wechselhafte Geschichte von Hip Hop in der DDR, welcher sich nicht zuletzt aufgrund des massiven Unverständnis bzw. der Unwissenheit der Offiziellen nie besonders harter Repression ausgesetzt sah, wird im Fall des Filmes durch Gespräche mit Akteuren aus der Szene selbst und Beteiligten des ehemaligen DDR-Kulturbetrieb dargestellt.

Anschließend bestand die Möglichkeit zum gemeinsamen Gespräch mit DJ Opossum, selbst Teil der DDR-Breakdance und Hip Hop-Bewegung und dem Historiker Leonard Schmieding (welcher zur Zeit an seiner Doktorarbeit zum gleichen Thema schreibt). Die beiden konnten dabei aus ihren jeweils unterschiedlichen Perspektiven unterschiedliche Sachverhalte tiefergehend beleuchten. Dabei fand sich Platz für Fragen und Anmerkungen zum Film, zur Hip Hop Szene der DDR selbst und auch zum Lebensweg der Protagonisten und deren heutigem Bezug zum Hip Hop in all seinen Formen.

Besonders interessant war für mich an dieser Veranstaltung den Vergleich mit den Ergebnissen der vorher erfolgten Auseinandersetzung mit dem DDR-Punk wagen zu können und die daraus gewonnene Erkenntnis über die spezifische Ausformung des weltweiten Phänomen Hip Hop in der DDR.

Als sich selbst stark mit Hip Hop und vor allem Graffiti auseinandersetzender junger Mensch, habe ich das Gefühl in der persönlichen Auseinandersetzung mit diesem kulturellen Phänomen vorangekommen zu sein.

Besonderer Dank dafür gilt vor allem den beiden Gesprächspartnern, welche sich alle Mühe gaben auf unsere Fragen und kritischen Bemerkungen einzugehen.

Philipp

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